Zeitmanagement – Mehr Arbeit erledigen und trotzdem glücklich sein

Zeitmanagement – Mehr Arbeit erledigen und trotzdem glücklich sein

Lehrer:innen haben immer frei… und gleichzeitig stöhnen viele unter der Arbeitslast. Wie kann das zusammenpassen? Als außenstehende Person ist die Gleichung schnell gelöst: Sie sind faul und/oder verweichlicht. Aber ist dem wirklich so? An dieser Stelle sollte wohl jeder, der gelernt hat, nicht alle über einen Kamm zu scheren, wissen, dass das sicherlich nicht für alle zutreffen kann und wird.

Aber wie lässt sich die Belastung durch Arbeit verringern? Ich möchte an dieser Stelle einmal alle äußeren Faktoren bewusst ausklammern. Es geht mir nicht darum, wie die Arbeit weniger werden kann, sondern wie die Belastung durch die Arbeit weniger wird. Sprich, wie kann ich die anfallende Arbeit erledigen und dabei trotzdem zufrieden sein.

Warum ist mir das wichtig?

Ich höre immer wieder aus dem Kollegium, dass sie so viel zu tun haben und gar nicht wissen, wie sie dass alles erledigen sollen. Wenn dann aber das tatsächliche Arbeitspensum verglichen wird, gibt es einige, die deutlich mehr zu tun haben, aber überhaupt keine Probleme mit der Zeit haben. Daher habe ich mal ein bisschen geschaut, was die einen anders machen als die anderen und was sich schließlich jeder abgucken kann, der mit der Arbeit überfordert ist.

Beamten vs. Wirtschaft

Für die Vergleichbarkeit mit der Wirtschaft, rechne ich im Folgenden mit Zeitstunden, also 60-Minuten-Einheiten.

Schauen wir uns erstmal an, was denn den Lehrerberuf so besonders macht. Also vergleichen wir es mal mit dem klassischen Job in der freien Wirtschaft. Häufig wieder dieser auch als 9-to-5 Job bezeichnet. Und da ist auch schon ein gewaltiger Unterschied festzustellen: es gibt geregelte Arbeitszeiten. 

Wenn ich mir meinen Stundenplan anschaue, gibt es Tage, an denen ich gegen 8 Uhr beginne und an anderen erst gegen 14 Uhr. Frühester Schluss kann 13 Uhr oder 16 Uhr sein. Für die Vor-/Nachbereitung von Stunden oder das Korrigieren gibt es keine Vorgaben.

Schau ich nun zu meinem Partner, sieht die Woche ganz anders aus. Die Arbeitszeiten sind deutlich geregelter. Gestartet wird ebenfalls gegen 8 Uhr und Schluss ist gegen 18 Uhr, freitags häufig eher. Das Wochenende ist frei.

Wenn ich also von der Schule komme, ist mein Partner noch am Arbeiten. Gleichzeitig sitze ich öfter auch noch nach 19 Uhr oder am Wochenende vor dem Schreibtisch, während in der Wirtschaft Feierabend = Freizeit bedeutet. Also können wir festhalten, dass Lehrer:innen ihre Arbeit viel flexibler einteilen können.

Flexible Arbeitszeiten – Fluch oder Segen?

„Mit großer Macht kommt große Verantwortung“ und das trifft hier ganz besonders zu. Sich die Arbeit flexibel einteilen zu können heißt eben auch, dass man sie sich einteilen muss. Jeder muss für sich selbst entscheiden, wann sie erledigt wird, solange sie am Ende erledigt ist. Es ist also kein Problem, nach der Schule frei zu machen, allerdings ist der Plan fürs Wochenende damit auch geklärt. Doch ist es häufig unrealistisch, die Unterrichtsstunden der Woche komplett am Wochenende zu planen und die Stunden morgens zu halten, ohne vorher nochmal reinzuschauen.

Das Ergebnis ist dann häufig erschreckend. Die Arbeit wird auf die kompletten 7 Tage der Woche quer verstreut erledigt. Es gibt bis auf den Schlaf also kaum längere Phasen, die nichts mit Arbeit zu tun haben und damit wird fast ununterbrochen an die Arbeit gedacht. Kein Wunder, dass so mancher damit völlig durch den Wind kommt.

Drei Monate Urlaub

Nehmen wir nun einmal an, jeder, ob Lehrer oder nicht, arbeitet gleich lange und braucht gleich lange Auszeit.

Jeder Mensch braucht Auszeit und Urlaub ist daher unerlässlich. Durch alle Ferien zusammen ergeben sich etwa 54 freie Tage (Wochenende und Feiertage bereits abgezogen). Das sind also 24 Tage zusätzlich frei, im Vergleich zu einem anderen Job. Die zuvor angesprochene Verantwortung endet allerdings nicht mit dem Ferienbeginn.

Wer die kompletten Ferien nun wirklich frei macht, der muss über das Jahr verteilt 24 Tage rausarbeiten, also etwa 5,5h pro Woche. Ich habe hierzu bereits einen Blog Beitrag gemacht, welchen du hier findest.

Das Thema mit den Lerchen und Eulen

Jeder Mensch ist anders und arbeitet über den Tag hinaus unterschiedlich effektiv. Es gibt die Frühaufsteher, die morgens um 6 Uhr schon eine Stunde am Arbeiten sind und andere sehen am Computer wie sich das Datum ändert. Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Daher muss jeder für sich selbst herausfinden, wann er oder sie am effektivsten arbeitet. Aber Vorsicht: wenn du denkst, dass du vor allem abends sehr effektiv bist, hinterfrage einmal bewusst, ob du wirklich abends gut arbeiten kannst, oder mit Einbruch der Dunkelheit einfach noch so viel zu erledigen hast, dass du dich beeilen musst, um noch ein bisschen Schlaf zu bekommen.

Wie kann nun jeder seine Belastung reduzieren?

Wir haben es also in unserer Hand zu entscheiden, wann die Arbeit erledigt wird. Schlechtes Zeitmanagement führt aber eben zu viel Stress. Eine Stundenreduzierung kann die Symptome lindern, aber löst nicht die Probleme.

Zunächst einmal muss sich jeder der Verantwortung bewusst sein, die man als Lehrkraft bezogen auf die Arbeitszeit trägt und ganz bewusst entscheiden, Pausen zu machen.

Beobachte dich am besten mal über einen gewissen Zeitraum und schau wann du besonders aktiv bist. Um welche Uhrzeit strotzt du so richtig vor Tatenkraft? Wenn du jetzt mit „nie“ antwortest, ist der Zeitpunkt wahrscheinlich irgendwo in deiner Freizeit. Wann erledigst du in der Regel die Unterrichtsplanung oder Korrekturen?

Hast du die Bestandsaufnahme erledigt, lege dir zeitliche Blocker und fülle die aktivste Zeit mir Arbeit. Immerhin ist es besser in einer Power-Phase die vielleicht nur eine Stunde anhält, drei Unterrichtsstunden zu planen, als diese in der absoluten Tief-Phase zu erledigen und das 3fache der Zeit zu brauchen.

Schalte den Fernseher etwas später ein. Es ist manchmal ziemlich erholsam, abends die Flimmerkiste anzumachen und danach ins Bett zu fallen. Wie furchtbar ist es aber, zwischen Fernsehen und Bett noch arbeiten zu müssen? Gönn dir also lieber einen FeierABEND als ein FeierNACHMITTAG.

Je nach Typ überlege dir, ob du gerne am Wochenende frei haben möchtest. Wenn ja, schau, dass bis Freitagabend alle Arbeit der Woche erledigt ist. Klingt einfach, ist aber so.

Nutze Freistunden sinnvoll. Eine Stunde Pause mitten am Vormittag ist zu kurz, um nach Hause zu fahren, aber lang genug, dass es nervig sein kann. Such dir ein ruhiges Plätzchen und erledige all die Sachen, für die du nicht viel Material brauchst, z.B. Klassenarbeiten korrigieren.

Gönn dir 30 Tage Urlaub und lege sie dir irgendwo in die Ferien. Hier ist Freizeit angesagt. Die restliche Zeit ist aber ganz normale Arbeitszeit. So sparst du eine große Belastung in der restlichen Zeit.

Plane Klassenarbeiten sinnvoll ein. Mit der Tatsache, dass Teile der Ferien gearbeitet werden sollten, ist der günstigste Termin für eine Klassenarbeit kurz vor den Ferien. Es spielt hierbei keine Rolle, ob du mit Beginn der Ferien auch eine Unterrichtsreihe abgeschlossen hast.

Ja, aber,…

In Bezug auf Zeit Management gibt es unzählige Ausreden und jeder von uns ist kreativ genug um Gründe zu finden, warum jetzt gerade nicht der richtige Zeitpunkt zum Arbeiten ist. Wenn jetzt gerade deine Lieblingssendung läuft, draußen so schönes Wetter ist, oder du dich bei Regen nicht so gut konzentrieren kannst, ist das alles kein Problem. Aber sei dir bewusst, dass du früher oder später die Arbeit erledigen musst. Also überlege dir ganz genau, ob das gerade eine faule Ausrede ist  oder ob du jetzt gerade wirklich nicht arbeiten möchtest und nehme dir dann bewusst eine Auszeit.